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25Apr

25 Jahre Tschernobyl & Super-GAU in Fukushima: Wie wir jetzt auch hier vor Ort die richtigen Konsequenzen ziehen

Am frühen Morgen des 26.4.1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zur Kernschmelze mit Explosion des Reaktorkerns, durch die strahlende Teilchen weit in die Atmosphäre geschleudert wurden und bis nach nach Westeuropa gelangen konnten. Da die Sowjetunion den Zwischenfall anfangs zu vertuschen versuchte, drangen Informationen nur stückweise und mit Verzögerung zu uns durch. So spielte ich am 1.Mai 1986 als 9-jähriger mit vielen anderen Kindern auf der Wurzelhütte, wo bei sonnigem Wetter ebenso wie auf dem Walberla und bei verschiedenen anderen Veranstaltungen zum 1.Mai viele Menschen unbekümmert im Freien unterwegs waren. Ich erinnere mich, dass man wenige Tage später bereits mehr wusste, da mich ein Nachbar wegen des verstrahlten Regens davor ermahnte, draußen zu spielen. Obwohl das havarierte Atomkraftwerk über 1000 Kilometer entfernt liegt, erreichte unsere Region in der Folge durch Wind und Niederschläge etwa eine ähnliche Menge an Strahlung, wie bis Ende März an manchen Orten in 30km Umgebung von japanischen Fukushima I gemessen wurde. Auch heute ist Tschernobyl nicht nur in der Ukraine und Belarus, sondern wahrscheinlich auch bei uns ein Faktor, der u.a. zu Krebserkrankungen beiträgt. Wegen der komplexen Zusammenhänge und der oft erheblichen zeitlichen Verzögerung ist die Wissenschaft nicht in der Lage, alle Konsequenzen von radioaktiver Strahlung festzustellen. Über unvorstellbar lange Zeiträume haben wir nachfolgenden Generationen auf unverantwortliche Weise radioaktive Erblasten aufgebürdet und tun dies mit jedem Tag weiter, an dem noch Atomstrom erzeugt wird. Seit dem Super-GAU von Tschernobyl gab es in Deutschland immer viele Menschen, die der Kernkraft kritisch gegenüber standen.

Doch erst 25 Jahre nach Tschernobyl seit Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima ist aus diesen vielen Menschen nicht nur eine deutliche, sondern auch zunehmend entschlossene Mehrheit geworden. Quer durch die politischen Lager lautet nun das Ziel: Schnellstmöglicher Ausstieg aus der Atomkraft. Den Ankündigungen müssen nun Taten folgen, um noch in diesem Jahrzehnt den letzten Atommeiler vom Netz zu nehmen.

Um dies ohne zusätzlichen Schaden für das Klima zu schaffen muss die Energiewende hin zu 100% erneuerbaren, heimischen und am Ende auch dezentralen Energien auf allen Ebenen umgesetzt werden. Dies ist eine Kernaufgabe des nächsten Jahrzehnts, bei der Bürger, Unternehmen und der Staat zusammen anpacken müssen, um das Ziel zu erreichen. Ein Ziel übrigens, das für unseren ländlichen Raum die besondere Chance nicht nur auf energetische Autarkie, sondern auch auch Energieexporte in die Städte bietet. Ein Paradebeispiel dafür ist die 2500-Einwohner-Gemeinde Wildpoltsried im Ostallgäu, wo man vor 10 Jahren konsequent den Weg zur energetischen Selbstversorgung eingeschlagen hat. Heute wird mit Erneuerbaren, primär in Anlagen im Besitz der Bürger 400 % des Eigenbedarfs an Strom erzeugt. Vorbehalte gegen Windräder, Wasserkraft, etc. sind der Freude über günstige, umweltfreundliche und gewinnbringende Energie gewichen.

Während nun die Bundesregierung schnell per Gesetz die Laufzeitverlängerungen zurücknehmen sowie den intelligenten Netzausbau vorantreiben und die bayerische Landesregierung die Blockadehaltung bei der Windenergie aufgeben muss, ergeben sich auch konkrete Handlungsvorgaben für unseren Landkreis, unsere Gemeinde und jeden Einzelnen von uns:

Landkreis: Nachdem der Landkreis Forchheim mit dem Landratsamt bereits 2010 auf Antrag der Grünen Kreistagsfraktion auf Ökostrom umgestiegen ist, muss nun bei allen Baumaßnahmen die Energieeffizienz höchste Priorität einnehmen, zumal sie sich nach einigen Jahren durch Einsparungen selbst amortisiert.

Gemeinde Neunkirchen: Als Sofortmaßnahme sollte der Gemeinderat parteiübergreifend für den Umstieg auf echten Ökostrom mit fester Förderung des Ausbaus Erneuerbarer votieren, zumal E.ON Bayern mit über 40% bundesweit mit den höchsten Atomstromanteil hat. Ebenso sollten die Verträge für die Straßenbeleuchtung auf den Prüfstand, um ggf. Einsparungen und den Umstieg auf Ökostrom verbinden zu können. Auch sollten die Liegenschaften der Gemeinde konsequent mit Solaranlagen ausgestattet und Flächen für Windkraft in Form von Bürgeranlagen ausgewiesen werden. Ebenfalls sollten mittelfristig anhand von Gutachten Möglichkeiten für ein mögliches Pilot-Blockheizkraftwerk und ggf. ein naturverträgliches Wirbelwasserkraftwerk zu eruieren.

Privathaushalte: Privathaushalte können ohne oder mit geringen Mehrkosten sofort und einfach durch einen Umstieg zu einem Ökostromanbieter selbst den Atomausstieg vollziehen und zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen. Dazu veranstaltet der Grüne Ortsverband Neunkirchen gemeinsam mit der Naturstrom AG am 14.05. von 10-13 Uhr eine Stromanbieterwechselparty mit Frühschoppen in der Zehnscheune in Neunkirchen, zu der herzliche Einladung ergeht. Mit Investitionen in Energieeffizienz, wie z. B. energetische Sanierung durch Wärmedämmung, Solaranlagen, kleine Windkraft oder auch in energiesparende Kühlschränke und Waschmaschinen, sowie in konkrete Projekte für erneuerbare Energien, sei es in Anleihen, Fonds oder Genossenschaftsanteile kann JedeR dafür sorgen, dass sein Geld für die Energiewende arbeitet.

Wenn Neunkirchen und viele andere Gemeinden in unserer Region in den nächsten 10 Jahren energieautark werden, würde dies die ungeheuren Abflüsse an Wirtschaftskraft aus unserer Region wegen der auch als zweite Miete bezeichneten Energiekosten und die damit verbundenen Wohlstandstransfers in undemokratische Länder beenden. Wenn sich die Investitionen einmal amortisiert haben, schicken Wind und Sonne, die 300 bzw. 1000 Mal mehr Energie liefern, als wir brauchen, keine Rechnungen und eröffnet uns so nach einer Übergangszeit die Chance auf mehr ökonomische Freiheit und damit Lebensqualität.

Außerdem ist die Atomkraft auch ein Beispiel für einen Mechanismus der Umverteilung von unten nach oben, der mit dafür sorgt, dass die Schere zwischen Arm und Reich zulasten der Mittelschicht weiter aufgeht. Während der Finanzkrise haben wir bei den Bankenrettungen gesehen, wie zuvor Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert, also auf die Steuerzahler und die Gesellschaft umgelegt wurden. Auch bei der Atomkraft werden künstlich schöngerechnete vermeintliche Gewinne quartalsweise von Energieunternehmen und deren Aktionären privatisiert und die Verluste, wie man nicht erst jetzt in Japan sehen kann, auf Jahrhunderte und Jahrtausende – frei nach dem Motto: nach uns die Sintflut – auf die Allgemeinheit, die Umwelt und nachkommende Generationen umgelegt. Müssten AKW-Betreiber Rücklagen für ihre nicht versicherbaren Risiken und ihren Atommüll für die nächsten 300 oder eigentlich sogar 250.000 Jahre bilden, dann wären sie sofort insolvent.

Sicher wird die Energiewende auch Geld kosten. Aber nun darauf zu verweisen, dass dies unsozial und teuer ist, ist zu kurz gedacht. Denn einerseits spricht selbst Wirtschaftsminister Brüderle von 3 Mrd. € pro Jahr zusätzlich für die Stromkunden, was erstens nur einen Bruchteil der bisherigen Gewinne der Atomkonzerne in Deutschland entspräche und zweitens pro Haushalt etwa 1,50 € Mehrkosten im Monat bedeuten würde. Andererseits sind diese Ausgaben anders als die für fossile Energieträger Investitionen in die künftige energetische Unabhängigkeit, Dezentralisierung und sinkende Energiepreise. Die Kritik daran ist vergleichbar mit der Kritik an Mietern, die neben der Miete noch Bausparen, um später Wohneigentum zu erwerben.

Andrej Novak
Vorstandsmitglied
Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Neunkirchen am Brand

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.atomausstieg-selber-machen.de
Kontakt: info@gruene-neunkirchen-am-brand.de

Verfasst am 25.04.2011 um 12:26 Uhr von mit den Stichworten , , , , , , , , , , , .
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