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04Aug

Elisabeth Scharfenberg zu Besuch: Pflegende Angehörige – oft ohne Netz und doppelten Boden

Zur Diskussionsrunde der Neunkirchener Grünen über die Pflege in den eigenen vier Wänden brachten Interessierte am Donnerstag, 01. August in Erfahrung wo es hakt und mangelt.

„Mehr als ich kann – allein gelassen mit der Pflege“ unter diesem Motto stand die Veranstaltung des Ortsverbands Neunkirchen von Bündnis 90/Die Grünen zu der der Vorstand Holger Kotouc die Gäste recht herzlich begrüßte.
Als Expertinnen zu der Veranstaltung im Café Haus Jakobus waren die Hofer Bundestagsabgeordnete Elisabeth Scharfenberg und Christine Schmitt von der Caritas Sozialstation in Neunkirchen eingeladen, um über die Probleme der pflegenden Angehörigen zu sprechen.

„Häusliche Pflege bedeutet sich kümmern und das Tag für Tag und Stunde für Stunde. Ganz unabhängig, wie man sich fühlt“ schilderte Elisabeth Scharfenberg den Alltag von pflegenden Angehörigen. Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag wies darauf hin, dass sich daraus spannungsgeladene Situationen ergeben können, in der pflegende Angehörige mitunter völlig überlastet sind und keinen Ausweg mehr für sich sehen. Christina Schmitt, Pflegedienstleiterin der Caritas Sozialstation kennt derartige Verhältnisse.  Sie ist zuständig für etwa 130 Pflegende, die von dem ambulanten Pflegedienst derzeit in der Region betreut werden. Sie weiß um die Probleme der pflegenden Familien und auch der professionell Pflegenden vor Ort. Die Genehmigung einer Pflegestufe wird ihrer Meinung nach zunehmend schwieriger und so kommt es regelmäßig zu Widersprüchen. Das kostet natürlich Zeit und Geld und bringt die pflegenden Angehörigen zusätzlich an den Rand der Belastbarkeit. Dagegen sei das Unterstützernetz bei Hilfebedarf in der Region gut ausgebaut – auch Ehrenamtliche bringen sich aktiv mit ein, aber ihnen muss noch mehr Anerkennung entgegengebracht werden. „Da ist jeder von uns gefordert. Es gibt Themen, die kann die Politik nicht verordnen und dazu verpflichten“,  so Scharfenberg.

Moderator Andrej Novak vom Vorstand des Grünen Ortsverbands Neunkirchen am Brand lud die Zuhörer ein, sich an dem Austausch mit zu beteiligen. So schilderten einige Teilnehmer eindringlich ihre Erfahrungen von Überforderung, Scham und von einer sozialen Pflegeversicherung, die ganz oft unsozial wirkt. Zuweilen sind es aber auch  vermeintliche Kleinigkeiten, die den Pflegealltag erleichtern würden. Etwa ein Behindertenparkausweis für das Auto eines pflegenden Angehörigen oder eine Kur, die nicht erst nach dem dritten Widerspruch genehmigt wird. Doch auch Profis in der ambulanten Pflege bemängeln die ausufernde Bürokratie, die Ressourcen bindet, die in der Unterstützung von pflegenden Angehörigen besser aufgehoben wären. So schilderte Christine Schmitt, dass teils für einzelne Spritzen Anträge gestellt werden müssen. Großes Thema für viele war die Pflegeberatung, die noch nicht ausreicht und oft zu wenig Information vermittelt, zu ungefiltert und zu einseitig erfolgt.

Das Interesse am Thema Pflege wächst – das war allen Anwesenden klar. Denn auch in der Region Neunkirchen sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. Es muss eine weitreichende Reform in der Pflege geben, unterstrichen die Grünen. Dafür wollen sie auch mehr Geld in die Sozialversicherung investieren und eine Pflege-Bürgerversicherung einführen. Zudem braucht es mehr Entlastungsangebote, damit Pflege zuhause gelingen kann, so betonte abschließend die grüne Elisabeth Scharfenberg.

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